Die verschiedenen Arten der Bildung von Ablegern dienen nicht nur der Vermehrung der Bienenvölker, sondern oft auch dem Eindämmen des Schwarmtriebs eines starken Wirtschaftsvolkes während der Schwarmzeit im Zeitraum von April bis Juli. Je stärker ein Bienenvolk bei der Ablegerbildung um seine Bienenmasse, vor allem an Flugbienen, reduziert wird, umso wahrscheinlicher ist hierbei jedoch auch mit einer verminderten bis ausbleibenden Honigernte zu rechnen.
Gleichzeitig stellen die u.g. Arten der Ablegerbildung auch Möglichkeiten zum Austausch bzw. Verjüngung der Königin eines Bienenvolkes dar.
Als wichtigster Punkt sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass, je nach gewählter Ableger-Methode, im Altvolk oder im Ableger ein Zustand der Brutfreiheit entsteht, welcher zur Behandlung gegen die Varroamilbe durch Beträuflen bzw. Besprühen mit Oxal- oder Milchsäure-Lösung unbedingt genutzt werden sollte. Da diese beiden Wirkstoffe im Gegensatz zur Ameisensäure nicht in die verdeckelten Brutzellen hinein wirksam sind, nutzt der Imker den brutfreien Zustand z.B. eines Feglings ohne bestiftete Brutwaben oder eines Ablegers nach Auslaufen der Brut und Schlupf einer Jungkönigin, bevor diese nach dem Begattungsflug in Eiablage geht, um alle Waben samt ansitzender Bienen mit einer Lösung von 15%iger Milchsäure oder 3%iger Oxalsäure zu besprühen bzw. zu beträufeln. Nähere Infos zur Varroa-Behandlung siehe dort.

Ein-Waben-Brutableger

Die einfachste Art, aus einem Bienenvolk zwei Völker zu machen, ist die Bildung eines sogenannten Ein-Waben-Brutablegers. Dazu wird aus einem starken Bienenvolk eine einzige Brutwabe mit viel verdeckelter Brut (beidseits ca. 2/3 – 3/4 der Wabenfläche) und ein wenig jüngster Brut und Stiften/Eiern (eine handtellergroße Fläche) sowie reichlich ansitzenden Ammenbienen entnommen und diese in eine neue Zarge an den Rand gehängt, an welchem sich das Flugloch befindet. Die Königin verbleibt im Urprungsvolk! Das Flugloch dieses Ablegers wird mittels Schaumstoff-Streifen auf nur eine Bienenbreite stark eingeengt. Hinzu hängt man anschließend und weiter entfernt vom Flugloch nach innen: 1-2 Mittelwände, welche sich der Ableger selbstständig ausbaut. Am weitesten vom Flugloch entfernt innerhalb der neuen Zarge wird eine Futterwabe eingehängt.

Schema zur Bildung eines Ein-Waben-Ablegers.

Der Ableger wird an einen mind. 2-3 km abseits entferten, zweiten Standort gestellt. Steht kein zweiter Standort zur Verfügung, empfiehlt sich die Bildung des Ablegers aus 1-2 Brutwaben mit reichlich ansitzenden Ammenbienen und dem zusätzlichen Zufügen weiterer Ammenbienen von 1-2 Brutwaben aus dem Altvolk durch Abstoßen, damit nach dem Abfliegen von Flugbienen aus dem Ableger zurück zum Altvolk ausreichend Pflegebienen zur Aufzucht und Entwicklung des Ablegers zurückbleiben. Mehrmaliges Verstellen des Ablegers am Tag der Bildung bei fehlendem zweiten Standort soll verhindern, dass abgehende Flugbienen zum Ausräubern an die Position des Ablegers zurückkehren können.

Nach 21 Tagen sollte der Ableger aus einer Weisel- bzw. Nachschaffungszelle eine neue Königin nachgeschafft haben. Der Ableger kann an den alten Standort zurückgeholt werden. Nun, bevor nach erfolgreicher Begattung der jungen Königin und beginnender Eiablage erste verdeckelte Brut entsteht, sollte jede Wabe mit den ansitzenden Bienen des Ablegers mit Milchsäure oder Oxalsäure zur Varroa-Behandlung besprüht werden.

Im Laufe der Entwicklung dieses Ablegers innerhalb der folgenden Monate wird, je nach Baubedarf, immer wieder eine einzelne Mittelwand hinzugehängt und die Futterwabe dabei weiter geschoben, sodass diese die am weitesten vom Flugloch entfernte Wabe bleibt. Ggf. wird bei Bedarf (ca. alle 4 Wochen) mit wenig Zuckerlösung (ca. 1 Liter) oder einer Futterwabe gefüttert, damit der Ableger nicht verhungert. Je nach Zeitpunkt der Ablegerbildung und Entwicklung des jungen Bienenvolkes kann im August das Aufsetzen einer zweiten Zarge mit Mittelwänden erforderlich sein, um ein Schwärmen des Ablegers im September zu verhindern. So kann es sein, dass ein solcher Ableger einzargig oder zweizargig eingewintert werden muss. Entsprechend unterscheidet sich hierbei die Einfütterung für den Winter. Ableger brüten und entwickeln sich bedeutend länger (bis Ende September) als ein Wirtschaftsvolk!

Je nach Wahl des Zeitpunktes für die Bildung eines solchen Ein-Waben-Ablegers (Ende April bis Juli) kann dieses Verfahren angewandt werden, um ein neues Volk zu bilden, oder aber, um aus besonders friedlichen sanftmütigen Völkern junge Königinnen nachzuziehen. In letztem Falle der späten Ableger-Bildung können im Zeitraum September bis Oktober zwei solche spät gebildeten Ableger vereinigt und die übrig bleibende Jungkönigin zum Umweiseln eines Wirtschaftsvolkes mit alter Königin verwendet werden.

Fegling (Kunstschwarm oder Kehrschwarm)

Die Bildung eines Feglings dient, ebenso wie die Fluglingsbildung, der Völkervermehrung und der Verminderung des Schwarmtriebes. Es entstehen zwei neue, in etwa gleich starke Völker, deren Sammelleistung und Honigertrag durch die Ableger-Bildung erheblich herabgesetzt wird. Der Fegling steht mit dem Prinzip der Ablegerbildung mittels Flugling in direktem Zusammenhang. Werden bei Flugbetrieb die Königin und alle ansitzenden Bienen eines Altvolkes in eine neue Zarge mit Futterwabe und Leerwaben bzw. Mittelwänden “abgefegt”, nachdem sich die Jungbienen durch eine Rauchgabe voller Honig gesaugt haben, so entsteht ein Fegling, welcher einige Meter vom Originalstandort des Altvolkes aufgestellt werden kann. Am zurückbleibenden Standort verbleibt die Beute mit allen Brutwaben und den zurückkehrenden Flug- bzw. Sammelbienen – der Flugling entsteht, welcher sich binnen 21 Tagen eine neue Königin nachschaffen wird.

Flugling

Die Bildung eines Fluglings dient nicht allein der Völkervermehrung, sondern stellt zudem eine effiziente Methode der Schwarmverhinderung bzw. zumindest der Verminderung des Schwarmtriebs dar. Wird ein Bienenvolk auf einen anderen Standplatz verstellt (wenige Meter reichen aus), fliegen die Sammel- bzw. Flugbienen dieses Volkes nach dem Ausfliegen bei ihrer Heimkehr zurück an den ursprünglichen Standort. Wird an die Position des alten Bienenvolkes z.B. ein Ein-Waben-Ableger oder Sammelbrutableger gestellt, ohne diesen extra mit ansitzenden Bienen aus dem Spendervolk der Brutwabe zu versorgen, wird der Ableger durch die einfliegenden Flugbienen trotz Allem verstärkt. Es entsteht ein Flugling. Besitzt die verwendete Brutwabe jüngste Brut oder Stifte, schafft sich der Flugling, analog zum Ein-Waben-Brutableger, binnen 21 Tagen eine Königin nach. Alternativ kann dem Flugling eine gezüchtete Königin oder eine schlupfreife Weiselzelle zugefügt werden. Eine weitere Alternative ist es, den Flugling mit der alten Königin zu bilden. Hierbei bleiben die Sammelfreude und somit der Honigertrag des Fluglings zumindest teilweise erhalten. Bei dieser Variante wird das verbleibende Altvolk an neuem Standort sich eine neue Weisel nachschaffen, falls keine Zuchtkönigin zugesetzt wird. Die einfachste Art der Fluglingsbildung ist es, die neue Bienenbeute für den Flugling unter das Altvolk zu stellen, oder anders gesagt, das Altvolk wird dem zu bildenden Flugling, ggf. mit dem Flugloch um 180° verdreht, oben aufgesetzt. Verwendet man für diese Fluglingsbildung eine neue Zarge ohne separaten Beutenboden, sondern trennt Altvolk und Flugling nur durch ein trennendes Bodenbrett, handelt es sich formal um einen sogenannten Zwischenbodenableger.

Sammelbrutableger

Die Erstellung eines Sammelbrutablegers entspricht formal der Vorgehensweise beim oben beschriebenen Ein-Waben-Ableger. Jedoch wird hierbei aus mehreren Bienenvölkern werden hierbei Brutwaben mit ansitzenden Ammen- bzw. Pflegebienen entnommen und in einer neuen Zarge mit stark eingeengtem Flugloch vereinigt, d.h. “gesammelt”. Die Königinnen verbleiben in den Altvölkern. Um die Sammelleistung und damit den Honigertrag nicht zu stark zu beeinträchtigen, sollten aus jedem Volk nicht mehr als 2 Brutwaben entnommen werden. Man sollte darauf achten, dass zumindest auf einer Brutwabe auch jüngste Brut und Stifte (Eier) vorhanden sind, damit sich der Sammelbrutableger eine Königin nachschaffen kann.

Schema zur Bildung eines Sammelbrutablegers.

Die Bildung eines Sammelbrutablegers dient vorrangig dem sanften Schröpfen der Bienenvölker, um die Schwarmlust zu dämpfen, ohne die Sammelleistung stark zu verringern. Ein Sammelbrutableger kann zudem als ausgezeichnetes Pflegevolk zur Aufzucht von Königinnen bei der gezielten Nachzucht dienen. Siehe hierzu auch das Prinzip der “Völkervermehrung in 4 Schritten” bei der Monatsbetrachtung für Mai von Fr. Dr. Pia Aumeier. Ein derart stark gebildeter Ableger entwickelt sich deutlich schneller, als ein Ein-Waben-Ableger.

Saugling

Setzt man einem starken Bienenvolk auf dessen Brutraum eine dritte Zarge mit 2-4 Brutwaben aber ohne ansitzende Bienen über Absperrgitter auf, so “saugt” die vorhandene offene und pflegebedürftige Brut Ammenbienen aus dem unteren Bienenvolk nach oben in den sich so bildenden Saugling. Die verwendeten Brutwaben können aus verschiedenen Wirtschaftsvölkern stammen. Nach 2-4 Stunden kann der Saugling abgenommen, und versorgt mit Futterwabe und Mittelwänden an einen anderen Standort verbracht werden. Es kann eine Jungkönigin zugesetzt werden, oder aber die Nachschaffung der Königin aus jüngster Brut dem Saugling selbst überlassen werden.

Treibling

Zur Bildung eines Treiblings als Ableger eines starken Bienenvolkes wird nach der Honigernte der Honigraum über Absperrgitter dem Bienenvolk wieder aufgesetzt. Die Jungbienen wandern in den Honigraum mit den ausgeschleuderten, noch honigfeuchten Waben, um diese zu reinigen. Gibt man anschließend zudem Rauchstöße durch das Flugloch bzw. nach Ankippen des unteren Brutraums von unten ins Bienenvolk, treibt man weitere Bienen nach oben in den leeren Honigraum. Dieser kann nun samt aller eingetriebenen Bienen als Treibling abgenommen werden. Zurück bleibt das Altvolk mit Königin, Drohnen und allen Brutwaben, welchem ein neuer Honigraum aufgesetzt werden muss. Der Treibling sollte mit Futterwabe versorgt und ggf. an einen anderen Standort verbracht werden. Entweder wird eine nachgezogene Königin zugesetzt, oder aber eine Brutwabe mit vorhandener jüngster Brut zugegeben, aus welcher sich der Treibling eine Königin nachschaffen kann.